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Gedanken zum Hochfest der Gottesmutter Maria 1. Januar

31.12.2020

GOTT …

            … hat (k)eine Mutter! 

 

    Hochfest der Gottesmutter Maria – 1. Januar 

            In einer Zeit fortschreitender Säkularisierung und damit auch einer einhergehenden Entfremdung vieler Christen von ihren religiösen Wurzeln und Bindungen, ist es schwieriger geworden, Begrifflichkeiten aus dem katholischen Glaubensleben zu vermitteln. Im privaten wie liturgischen Gebrauch, gehen uns Formulierungen, rituelle und dogmatische Begriffe zumeist unreflektiert über die Lippen. Wer hat beim Beten des Ave Maria schon das mariologische Lehrgebäude einer rund 2000 Jahre währenden Dogmengeschichte im Kopf, wenn es da heißt: „Heilige Maria, Muttergottes, bitte für uns Sünder …“. Oder um ein anderes, wohl das älteste Mariengebet der christlichen Tradition, zu nennen: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter, …“. (GL 5,7). 

            Vor allem dieses Gebet, das vielleicht manche noch anders gelernt haben, gibt schon einen Hinweis, woher es kommt, dass Christen, zumal der lateinisch-katholischen wie der griechisch-östlichen Tradition, Maria als „Gottesmutter“ große Verehrung zuteilwerden lassen.  Dieses „Gottesmutter“ ist in diesem womöglich schon auf das 3. Jahrhundert zurückgehende Gebet in griechischer Sprache verfasst: „Theotokos“, steht da, was eher mit „Gottesgebärerin“ zu übersetzen ist und ursprünglich auch in dieser Übersetzung gebetet wurde. 

            Für Christen jedenfalls eine Spur zurück in eine frühe Verehrung der Mutter Jesu, die sich bereits darauf beriefen, dass dem fürbittenden Gebet Marias großes Gewicht verliehen wurde, was Christen, die im katholischen Frömmigkeits- und Glaubensleben verhaftet sind, bis heute vertraut ist. 

            Die Anrede Marias als „Gottesmutter“ besagt allerdings eher mehr über ihren Sohn, den sie zur Welt brachte. Diesen Sohn Marias, und darüber zerbrachen sich in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht wenige theologisch gebildete kluge Köpfe dieselben, bekennen Christen als „Sohn Gottes“. In ihm offenbart sich Gott selbst als Mensch, geboren von einer Frau (Gal 4,4) – und – nicht unerheblich – „dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4,5). 

            Weil Gott das menschliche Wesen ganz durchdringt und angenommen hat, „menschliches Fleisch annahm“, in diesem Jesus, dem Sohn Marias, sprechen Christen davon, dass Maria innerhalb der Menschheit eine besondere Stellung einnimmt: Sie bringt den „Sohn Gottes“ zur Welt – und das tut sie auf sehr menschliche – weibliche – Art: Sie gebiert ihn, sie wird zur „Gottesgebärerin“. In der Theologie der Westkirche, sprich „römisch-katholischen Tradition“, wurden und werden die Worte „Gottesmutter“ und „Gottesgebärerin“ eher synonym, d.h. austauschbar gebraucht. 

            Dass Maria als „Gottesgebärerin“ bzw. „Gottesmutter“ bezeichnet werden darf und als solche verehrt wird, definierte vor allem das Konzil von Ephesus im Jahre 431. Doch wie im oben erwähnten Gebet bezeugt, war im liturgischen wie persönlichen Beten der Gläubigen die Verehrung unter diesen „Titeln“ für Maria schon gebräuchlich. 

Jenseits aller dogmatischen Klärungsversuche, die nicht in jedem Falle hilfreich für die alltäglichen „Glaubensangelegenheiten“ sind, dürfen wir als schlichte Beterinnen und Beter auf Maria am ersten Tag des Jahres auf eine Frau und Mutter schauen, die betend tatkräftig – auf ein neues Jahr hin – unser Leben begleitet. 

Mit ihrer Bereitschaft, auf Gottes Anrede und Wort mit einem vertrauensvollen Ja zu antworten, lädt sie uns ein, es ihr gleichzutun. Dass sie mit diesem Ja auch Ja sagt zu all dem, was ihr von Simeon im Tempel über ihren Sohn und sie selbst vorausgesagt wurde (Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gendanken der Menschen offenbar werden. Dir selber aber wird ein Schwert durch die Seele dringen Lk 2,34f.) erschloss sich ihr wohl nur in den schweren Schritten, die auch sie in ihrem Leben gehen musste. 

Ungezählte Frauen, Männer und Kinder haben sich dieser Frau und Mutter anvertraut – ihre eigenen „schweren und schmerzlichen“ Schritte und Wege im Leben Maria anempfohlen. Groß auch die Zahl derer, die dankbar bekennen durften: „Maria hat geholfen!“ Es sind wohl eher diese Zeugnisse des Glaubens, als theologische Traktate, die uns glauben lassen dürfen, dass Gott uns alle in der Mutter Jesu eine Mutter geschenkt hat, die für und mit uns betet, bangt und liebt. Als Schwestern und Brüder Jesu, die wir kraft der Taufe sind, dürfen wir auch sagen, wir sind Töchter und Söhne Marias – und zu ihr dann Mutter zu sagen, ergibt sich fast von selbst. 

Und früh haben Christen erkannt, wie sehr diese Mutter darum bemüht war und ist, unsere Lebenswege immer wieder auf ihren Sohn hinzuleiten – durch den wir die alles entscheidenden „Sohnschaft“ erlangt haben – jene, die uns frei werden lässt in der Liebe zu Gott, allen Menschen ein Vater. (Gal 3,26-4,7)

Mögen auch manche unserer alten Gebete ungewöhnlich klingen und nicht leicht in unser heutiges Sprachgefühl passen, so tauchen wir mit ihnen doch ein in eine lange Reihe und große Schar von Beterinnen und Betern, die aus ihnen Kraft, Zuversicht und Hoffnung geschöpft haben.

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter, verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren. O du glorreiche und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne. 

Gottes Segen und 

allezeit das fürbittende Gebet der Jungfrau und Gottesmutter Maria im neuen Jahr 

            wünscht Ihnen 

                                                                                                         Pfr. P. Stempfle